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eDrum im Selbstbau

Pad
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Ein richtiges Schlagzeug kam nicht in frage - zu laut und zu sperrig. Aber ich hatte doch im Musikladen mal mit so 'nem elektronischen Schlagzeug rumgespielt.. - kann man denn so ein Ding nicht mit dem Computer verbinden und dann damit die Drum-Parts einspielen?

Also hin in den Laden und 'nerven'. Die Ernüchterung kam schnell: Entweder es war für mich erschwinglich - dann war aber das Spielgefühl dahin (Gummi-Pad's) - oder es sprengte meinen Kostenrahmen (Mesh-Pad's). Also frustriert wieder nach Hause und mal im Internet rumgesucht.

Schnell hatte ich da einiges gefunden - Selberbauen, ja, warum nicht, mit Werkzeug kann ich umgehen. Und schnell stand der Entschluss fest: Ich bau mir so ein Schlagzeug - achja eDrum heißt das dann. Jetzt musste ich nur noch rausfinden, wie ich die Signale in den Computer bekomme. Auch da half wieder das Internet, denn ich wollte nicht viel Geld für ein Drum-Modul ausgeben; die Klangerzeugung sollte der Computer machen und irgendwo musste es doch ein Gerät geben, das die Triggersignale (so nennt man das, habe ich gelernt) von den Pad's irgendwie in MIDI-Daten umwandelt. Nach einigem Suchen habe ich dann das Alesis Trigger I/O gefunden; die Selbstbau-Alternative des Triggermoduls, die ich auch im Internet gefunden hatte, habe ich dann schnell verworfen, da die Einzelteile letztendlich teurer geworden wären. Und als Nebeneffekt würde ich mit dem Alesis Teil auch gleich ein passendes VST-Plugin für den Schlagzeug-Sound (BFD Lite) bekommen - bestellt.

Jetzt fehlten 'nur' noch die Pad's - ich wollte welche mit Mesh wegen des Spielgefühls, aber da fand sich dann doch nichts wirklich Brauchbares im Internet. - Aber so schwer kann das ja nicht sein. Zuerst habe ich mal alle anderen Bauanleitungen 'studiert'.

So enstand dann langsam eine Vorstellung, wie das Ganze aussehen sollte. Jetzt war nur noch zu klären, ob es die benötigten Teile einzeln gab und zu welchem Preis.

eDrum im Selbstbau

Was brauch ich denn alles?

  1. eine Art Gehäuse für das Ganze --- ich habe mich für Holz entschieden
    im Baumarkt Sperrholz (Multi-irgendwas) in 22mm Stärke gefunden
    pro Pad 2 Stück 26 x 26cm ergab ca. 5€
  2. die Mesh-Felle --- gab's für ca. 15€ in 8" - gut
  3. zum Spannen einen Spannring --- klar die musste es auch geben und auch die
    gefunden für ca. 13€
  4. die Piezo-Scheiben --- hab ich nach längerem Suchen letztendlich bei eBay gekauft
    50 Stück (nach meiner Rechnung würde ich mindestens 15 Stück brauchen und da war das das Günstigste) für 18€
  5. irgendwas, was als Pseudo-Kessel diente --- also etwas, worüber man das Fell mit dem Spannring spannen konnte - das war fast das schwierigste - aber nach etwas
    rumsuchen bin ich bei Blumenübertöpfen aus Plastik gelandet. Die hatten genau den Durchmesser von 20cm, den ich brauchte, waren stabil und mit ca. 4€ auch erschwinglich.
  6. naja ein paar Schrauben, Klinkenbuchse und so Kleinkram
das ergab grob 45€ pro Pad - also lag es im Vergleich zu einem fertigen Mesh-Pad doch um einiges günstiger.

Wie das Ganze dann realisiert wurde, seht ihr auf den folgenden Seiten..

eDrum im Selbstbau

hier die genaue Stückliste

aus dem Baumarkt:
2 St. Multiplex Sperrholz 22mm stark 26 x 26 cm
7 St. Spanplattenschraube 4,5 x 35 mm Senkkopf
3 St. Gewindeschrauben M5 x 50 Senkkopf
9 St. Muttern M5
3 St. U-Scheiben M5
6 St. U-Scheiben M5 - aber große so mit ca. 20mm Außen-Durchmesser
1 St Ösenschraube M8 - Innendruchmesser der Öse ca. 12mm
1 St U-Scheibe groß M8
1 St Flügelmutter M8
1 St. Blumenübertopf aus festem Kunststoff 20cm Ø
         am besten das Meshfell mitnehmen und Passenden suchen

aus dem Musikgeschäft:
1 St. Spannring 8" 5-Loch
1 St. Mesh-Fell 8"
5 St. Spannschrauben für 'normale' Schlagzeuge ca. 50 mm lang
5 St. Muttern dazu

aus dem Elektronikladen oder eBay
1-2 Piezo-Scheiben
1 St. 6,3mm Stereo-Klinken-Einbaubuchse
etwas Leitung

Werkzeuge
Bohrmaschine
Stichsäge
Bohrer 4,5 - 5,2 - 11mm
Senker
Scharnierlochbohrer 26mm Ø
Lötkolben, Lötzinn
Heisklebepistole

hilfreich
Bohrständer
4-Kant Spannschlüssel passend zu den Spannschrauben

sonstiges
eine alte CD oder DVD
div. Schaumgummi +  Moosgummi

eDrum im Selbstbau

Als erstes habe ich mich, nachdem ich die Einzelteile zusammen hatte, hingesetzt und eine Zeichnung angefertigt. Die Zeichnung könnt ihr hier runterladen.

drum1.pdf

Zeichnung für die Holzteile pdf, 12 KB

Die Zeichnung ist auf DIN A2 angelegt und im Massstab 1:1.
Ich habe diese Zeichnung auf Klebefolie ausgedruckt und auf die 2 Holzstücke aufgeklebt.

Bitte prüft, ob die Löcher (B) für den Spannring passen! Ich habe 5-Loch Spannringe gewählt und ich denke, dass da die Löcher bei allen gleich sind ? Gegebenenfalls müsst ihr das anpassen.

Also los geht's.

Zuerst brauchen wir die 2 Holzplatten 26 x 26 cm Multischicht-Sperrholz 22mm dick.

Nun die Löcher A mit einem 4,5mm Bohrer in die eine Holzplatte (Seite 2) bohren und auf der Folienseite mit einem Senker den Schraubenkopf ( Spanplattenschraube 4,5 x 35 mm Senkkopf) passend ansenken. Anschließend die Löcher C mit einem 5,2mm Bohrer bohren und auch passend ansenken für Gewindeschrauben M5 x 50 Senkkopf.

Jetzt die beiden Holzplatten, mit der Folie jeweils außen - also sichtbar - deckungsgleich mit 7 Spanplattenschrauben zusammen schrauben.

Als nächstes ist ein Bohrständer mit Tiefenanschlag sehr hilfreich - ansonsten ist etwas Gefühl angesagt. Nun werden die Löcher B mit einem 6,5mm Bohrer ca. 40mm tief von der 'Seite 1' gebohrt und leicht angesenkt.

Das Loch D wird durch beide Platten so groß gebohrt, dass die Haltestange des Rack's, wo das Ganze später einmal draufmontiert werden soll, durchpasst. Bei mir waren das 11,5mm.

Zuletzt das Loch E mit einem 3mm Bohrer von der 'Seite 2' wieder etwa 30mm tief bohren.

eDrum im Selbstbau

so - das Erste wäre geschafft.

Jetzt nehmen wir das Ganze wieder auseinander und nehmen die Platte 'Seite 2'.

Hier bohren wir mit der Löchsäge 65mm Ø - wenn vorhanden, ansonsten mit der Stichsäge -die 3 Kreise aus. Der Durchmesser ist hier nicht kritisch, sollte aber nicht größer als auf dem Plan sein.
Die 5 Löcher, die nicht durch die Platte durchgehen, bohren wir nun mit einem Bohrer in der Größe, so dass die Mutternhülsen der Schlagzeug-Spannschrauben stramm (leicht mit 'nem Hammer einschlagen) reinpassen.

Mit dem Scharnierloch-Bohrer bohren wir nun das Loch E bis zu einer Tiefe von ca. 19mm auf und dann mit einem Bohrer in der Größe der Befestigungsschraube der Klinkenbuchse den Rest durch die Platte.

Die Platte sollte dann so aussehen.
Die Klinkenbuchse, die Spannschraubenmuttern und die 3 Gewindeschrauben sind hier schon montiert.

eDrum im Selbstbau

jetzt geht's mit der Platte 'Seite 1' weiter.

Zuerst bohren wir hier auch das Loch E von der Holzseite (nicht die Folienseite) mit dem Scharnierlochbohrer wieder bis zu einer Tiefe von 19mm auf - die Position ist durch das 3mm Loch zu erkennen.

Mit dem Senker senken wir nun die Löcher B auch von der Holzseite soweit auf, dass das, was von den Spannschraubenmuttern noch auf Platte 2 oben rausschaut, in der 'Versenkung' verschwindet - sprich die beiden Platten sauber aufeinander passen.

Als nächstes wird der große innere Keis (ich habe hier mehrere verschiedene Durchmesser auf dem Plan in unterschiedlichen Farben eingezeichnet) passend zu dem Blumentopf ausgesägt. Der Topf soll hier stramm reingehen - also lieber ein kleines bischen zu klein als zu groß und dann mit Schleifpapier und/oder Feile vergrößern, bis es passt.

Den Blumentopf von der Folienseite einsetzen und soweit reindrücken, bis noch etwa 23mm oben rausschauen. Jetzt mit einem Stift auf der Holzseite den Blumentopf da markieren, wo die Holzkante ist. Den Topf wieder rausholen und an der Markierung absägen. Nun sollten wir einen Ring von 45mm Höhe haben.

Jetzt wird es etwas kniffelig: Für die Spann-Klemmschaube muss das Loch D noch auf der Holzseite beider Platten aufgefräst werden. Ich hab das mit 'nem Dremel gemacht, ansonsten muss man da ein bischen Schnitzen. Die Schraube muss genügend Spiel haben, so dass sie sich leicht in dem Loch hin- und herbewegen kann. Am Ende sitzt diese Schraube sozusagen zwischen den beiden Holzplatten.

eDrum im Selbstbau

damit wären wir mit der Holzarbeit fast fertig.

Jetzt schrauben wir die beiden Platten wieder mit den 7 Schrauben zusammen und sägen mit der Stichsäge die äußere Kontur aus, so dass das Ganze dann wie auf den Bildern aussieht.

Alles noch schön sauber schleifen und das Schlimmste liegt hinter uns.

eDrum im Selbstbau

Und nun zum Inneleben des Ganzen.

Ich habe die Pad's als sogenannte 'Dual-Zone' Pad's vorgesehen. Das heißt es gibt 2 Trigger-Signale aus einem Pad - eins für das Fell und eins für den Rim. Die Piezo's erzeugen einen elektrischen Impuls, wenn die Scheibe in 'Bewegung' kommt - ähnlich wie ein Mikrofon.
Um die beiden Bereiche getrennt abzunehmen, müssen also auch die beiden Piezo's an unterschiedlichen Stellen montiert werden. Wenn nun auf das Fell geschlagen wird, soll nur ein Signal von dem einen, und wenn auf das Rim geschlagen wird, soll das andere ein Signal erzeugen. Das bedingt eine mechanische Entkopplung der beiden Piezo's, die ich nach vielem Rumprobieren auf folgende Weise gelöst habe:

Zuerst an die Piezo's ein paar Drähte (Litze) anlöten - später ist das blöd, da wir die Dinger ja mit Heißkleber ankleben und der schmilzt dann wieder. Siehe Bilder.

Das Piezo für das Rim-Signal habe ich auf Platte 2 aufgeklebt. Wichtig ist beim Aufkleben, dass man nicht die ganze Fläche verklebt, sondern nur in der Mitte einen ca. 5mm großen Punkt. Ich hab das letztendlich so gemacht: aus Pappe, ca. 0,5mm dick, habe ich mir ein paar Streifen geschnitten, die ich so auf die Holzplatte gelegt habe, dass der Rand des Piezo's darauf zu liegen kam; dann habe ich einen Tropfen Heißkleber in die Mitte auf die Holzplatte gemacht und das Piezo darauf gedrückt (nicht zu feste, sonst kann das Piezo kaputt gehen) - die Pappe diente also sozusagen als Abstandshalter und wird nach erfolgreichem Verkleben wieder entfernt.

Das andere Piezo kleben wir in die Mitte einer alten CD/DVD.

eDrum im Selbstbau

und weiter geht's

Nun heizen wir den Lötkolben wieder an und verdrahten das Ganze. Die beiden blauen Drähte kommen an den Hülsenanschluß der Klinkenbuchse. Der gelbe von der CD an den Spitzen-Kontakt und der andere gelbe an den Ring-Kontakt. Nun wird die Klinkenbuchse in die Platte 2 in das Loch E geschraubt.

Für die Montage der CD werden die 3 Gewindeschrauben in die Platte 2 geschraubt und die CD, wie auf dem Bild zu sehen, montiert. Zwischen die Schrauben/Muttern und die CD kommen Moosgummi-Scheiben - damit wird die CD vom Rest 'entkoppelt', so dass die Schwingungen vom Holz (Rim) nicht darauf wirken. In meinen Bildern sind da so Gummiteile zu sehen, die nennen sich Kabeldurchführungen und gibts auch im Elektronik-Shop - aber das mit dem Moosgummi ist genauso gut. Also je eine Mutter auf die Schraube - so etwa, dann eine der großen U-Scheiben, das Moosgummi oder die Durchführung, wieder eine große U-Scheibe und zum Schluss eine Mutter. Sollte die CD zu stramm zwischen den 3 Halterungen sein, dann an den Stellen etwas von der CD wegfeilen. Die CD sollte am Ende fest, aber ohne direkten Kontakt mit den Schrauben fixiert sein. Ist das geschafft, etwas Pattex oder Heißkleber auf die Muttern geben, damit sie sich später beim Spielen nicht lösen.

eDrum im Selbstbau

ast fertig

so - jetzt muss noch eine kleine Nut für das Kabel zu der Buchse geschnitzt oder 'gedremelt' werden.

Dann die 2 Holzteile zusammensetzen, die Spann-Klemmschraube nicht vergessen und das Ganze mit den 7 Schrauben zusammenschrauben.

Jetzt noch den Blumentopfring einsetzen. Sollte er doch etwas 'Luft' haben, den Spalt zwischen Platte 1 und Ring mit Pattex oder Heißkleber auffüllen. Der Ring muss auf der Platte 2 gut aufliegen.

Als letztes brauchen wir noch ein Stück Schaumgummi, so etwa 3cm dick und 5cm im Durchmesser. Das kommt zwischen die CD und das Mesh-Fell. Hier muss man eventuell etwas experimentieren, da die Dynamik davon abhängig ist, wie gut der Schaumstoff den 'Schlag' überträgt.

Das Ganze sollte dann etwa so aussehen.

Auf den Bildern ist die CD eine Dummy-CD, so wie sie oft dabei ist, wenn man CDR's auf ner Spindel kauft.

eDrum im Selbstbau

Cool und das darf hier natürlich nicht fehlen Cool
vielen Dank für die Geduld und Mühe an die Mitarbeiter der Drum-Station in Maintal



ach ja - demnächst geht es weiter mit dem 'Blech' sprich High-Hat mit Pedal, Cymbal etc. und der Bass-Drum inkl. Fußmaschine